Faris Al-Sultan - Ironman World Champion Leserbrief Spiegel (vom 14.4.2020)

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin weder Verschwörungstherotiker noch Anarchist, bis vor vier Wochen war ich ein konservativer, muslimischer, politisch sehr mäßig engagierter, deutscher Patriot.

Heute schäme ich mich.

Kein Artikel, der über mich geschrieben wurde, hat mich stolzer gemacht als der im SPIEGEL.

Der SPIEGEL mit seinen fundierten, oft dialektisch geschriebenen und tiefgehenden Artikeln, war der Maßstab der deutschen Medienlandschaft.

„Es stand im SPIEGEL.“, war ein Qualitätsmerkmal.

Heute schäme ich mich.

Ich schäme mich für ein Magazin dessen Onlinebereich im speziellen, reflektions- und prüfungsfrei, klickzahlengeil, jeden Unfug online stellt.

(„Die Apokalypse von Ecuador“,  um ein Beispiel zu nennen; 150 Tote  bei 2,8 Millionen Einwohnern die vor lauter Angst die Toten nicht beerdigen, die Ihnen die Medien gemacht hat. Statistisch gesehen „müssen“ in Guayaquil 50 Einwohner pro Tag sterben.)

Ich schäme mich für ein Magazin, dessen Gründer für die Freiheit sogar soweit einstand, dass er dafür ins Gefängnis ging und der sich ob der aktuellen „Alternativlosigkeit“ der Merkelschen Politik sicher widersetzt hätte und damit meine ich nicht, dass die ergriffenen Maßnahmen völlig inakzeptabel wären, sondern die „Hofberichterstattung“, die ein anders Meinungsbild überhaupt nicht zulassen.

( Für F.J. Strauß war z.B. auch Wackersdorf alternativlos.)

Ich schäme mich für ein Magazin, das sich in unzähligen Ausgaben dem Thema des Dritten Reiches und des Holocaust gewidmet hat und immer wieder darauf hingewiesen hat, wie problematisch der blinde Gehorsam gegenüber einer politischen Führung ist, aber nun lieber Meinungsmache betreibt, statt die Fakten, die spätestens seit der „Heinsbergstudie“ von Prof. Streeck auf dem Tisch liegen, zur Grundlage seiner Berichterstattung zu machen. ( 0.37% Mortalität, 15-20%Imun, 0,06% Mortalität in der Gesamtbevölkerung

ob mit oder an Corona weiß man sowieso nicht ohne Obduktion, Durchschnittsalter der Toten laut RKI 80 Jahre, die Fixierung auf die Neuinfektionen, Krankenhäuser und Intensivststionen leer, in anderen Ländern ist jeder Tote ein Coronatoter, keinerlei statische Erhöhung der Sterberate, in Deutschland übrigens 2600-2900 Menschen pro Tag laut stat. Bundesamt, da noch von „gefährlicher“ Pandemie zu schwadronieren als würde Ebola vor der Tür stehen ist schlichtweg blanker Unsinn.)

Ich schäme mich für eine Bundeskanzlerin, die wider alle Fakten etwas vom „Verlust der Liebsten“ faselt, statt auf die organisatorische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft hinzuweisen um sämtliche Probleme mit Vernunft anzugehen. Dabei sei an dieser Stelle nochmals klar gesagt, daß die ersten „Shutdown“ Verordnungen zu Corona selbstverständlich eine Pflicht für jeden deutschen Bundeskanzler gewesen wären. Die Sachlage war unklar, die Zahlen aus China nicht vertrauenswürdig und Vorsicht geboten. Nun stellt sich die Lage aber komplett anders dar.

Ich schäme mich für einen bayr. Ministerpräsidenten, der statt traurig und betrübt, ob des Wissens um die schweren Zumutungen einer Verlängerung der Anti-Corona-Massnahmen, von Machtfülle berauscht, freudvoll verkündet, dass er alles, vor allem aber uns und seine Lakaien im Kabinett im Griff hat.

(Ein jeder möge sich das Gesicht dieses Ministerpräsidenten auf der Pressekonferenz vom 24.03 auf YouTube ansehen.)

Ich schäme mich für einen bayr. Innenminister, der öffentlich zur gegenseitigen Überwachung aufruft. Wir alle wissen, dass das Denunziantentum der übelste Zug des deutschen Volkes ist, 100.000-200.000 inoffizielle Mitarbeiter der Stasi bei 16 Millionen Einwohnern sprechen Bände.

Ich schäme mich für eine Polizei, die sich nicht entblödet das Volk mit Zeppelinen und Drohnen überwachen zu wollen, Radfahrer nach Zusammengehörigkeit zu befragen und zwei Basketball spielende Jugendliche aus Gründen der Volksgesundheit des Platzes zu verweisen, statt mit Augenmaß um Verständnis zu werben oder sich selbst und auch Ihren Vorgesetzten die Sinn- und Verhältnismässigkeitsfrage zu stellen.

Dunkle Erinnerungen an „bloße“ Befehlsempfänger werden wach.

Ich schäme mich für ein Volk, das nach einem verlorenen Weltkrieg unter einer imperialen Monarchie, einem noch größeren verlorenen Weltkrieg unter einer Nazidiktatur und einer sozialistischen Diktatur immer noch die Hände an die Hosennahnt legt und „Jawohl mein Führer !“, schreit statt sich zu besinnen, daß die Momente, in denen es kontroverse Diskussionen mit Entscheidungen aus einem breiten Meinungsspektrum heraus gab, sicher die besseren Momente waren.

(Wiederbewaffnung, 68er Bewegung, Ostpolitik von Brandt, Wiedervereinigung um nur ein paar zu nennen)

Rudolf Augstein ist es, Gottseidank, erspart geblieben diese Berichterstattung des SPIEGEL erleben zu müssen.


Mit freundlichen Grüßen

Faris Al-Sultan